Die Kräutergretel

In den alten Urkunden der Stadt wird nur einmal von einer Frau berichtet, die die Kranken besuchte, ihnen Arznei und Salben aus Heilkräutern machte und sie auch seelsorgerisch betreute. Diese Frau wird immer wieder als Wohltäterin von ihren Zeitgenossen bezeichnet und wurde von den Kranken sehr geschätzt. Sie bekam nach ihrem Tod von dem damaligen Pfarrer Magister Ulrich Etter im Sterbebuch folgenden Nachruf:
„Am 29. April 1658 wurde ehrlich in ihr Ruhestättlein gebracht, Maria, alt Jakob Kechelen Forstknechts Hausfrau, ihres Alters 69 Jahre. War ein Weib von gutem Verstand, der Arznei wohl erfahren, und die den Gebährenden und Kranken, den Armen, sowohl als den Reichen, mit Rat und Tat redlich beigeloffen und Gott sei ihr großer Lohn“. Ein guter Nachruf durch Pfarrer Etter, der zu Not- und Pestzeiten überörtlich als gute Seele für Kirche und Nächstenliebe in Dornstetten und umliegenden Gemeinden im Einsatz war.
An diese Maria Kechelen soll die Kräuter-Gretel erinnern.

Das Häs der Kräuter-Gretel, die ein Kräuterweible darstellt, ist einer Hausverzierung nachempfunden, welche eine Kräuterfrau darstellt. Die Zeichnung befindet sich am Marktplatz Dornstetten.

Es besteht aus einem weißleinenen Oberteil, blauer Weste, schwarzer Stola, schwarzem Rock und graublauer Schürze. Unter dem Rock trägt sie eine weiße lange Unterhose und schwarzblaugrau gestreifte Wollsocken, dazu Strohschuhe.
Die Larve hat ein freundliches altes faltenreiches Gesicht und trägt ein graues Kopftuch und lange Zöpfe.
Die Figur verkörpert die 69jährige Maria Kächelen, die 1658 verstarb. Sie ist nachweislich die einzige kräuterkundige Frau und hatte einen tadellosen Ruf und Leumund – auch durch Pfarrer Magister Ulrich Etter.
Der Narrenruf lautet „Kräuter-Gretel“