Die Narrenzunft

Es begab sich also zu einer Zeit,

die heute schlicht mit „Mittelalter“ definiert wird, in dem kleinen Fachwerkstädtchen Dornstetten folgendes Ereignis, das seinen Bürgern einen Necknamen ganz besonderer Art zuweisen sollte:
Es war Markttag – und so herrschte reges Treiben auf dem Marktplatz, der guten Stube Dornstettens. Der große Platz stand voller Marktstände, gesäumt von großen alten Fachwerkbauten, der Stadtbrunnen – bewacht von seinem Ritterstandbild, einem alten Württemberger, plätscherte und die Marktweiber tauschten den neusten Tratsch aus. Bis, ja bis eine gellend aufgeregte Stimme das Handelsgeschehen unterbrach.
„Es brennt, gucket no, der Kirchturm brennt!“
Und tatsächlich: Der ehrwürdige und standhafte Kirchturm war von tiefem Schwarz umgeben. Sofort eilten die Menschen herbei, mit Kübeln und Eimern wurde eine Schlange gebildet, um das rettende Wasser des Stadtbrunnens dem Brandherde auf dem Turm zuzuführen.
Doch was mussten die zur Rettung erschienenen, Feuer verwehrenden Bürger auf dem Turme da feststellen?
Kein Rauch vernebelte die Kirchturmspitze, nein, ein riesiger Schwarm Schnaken (schwäbisch Schnoga) umtänzelte sie rege!
Die Gefahr war gebannt, kein erneuter, für die engbebaute Fachwerkstadt so gefährlicher Brand!
Das Staunen wich einem freudigen Kopfschütteln, endete in Erleichterung und sorgte an den nächsten Tagen für viel Gesprächsstoff.
Diese Geschichte war etwas: Wie ein Lauffeuer verbreitete sie sich in den umliegenden Dörfern, fand Anklang und schallendes Gelächter – mussten doch diese Städter mit der Schmach erst mal auskommen.
Den umliegenden Gemeinden zumindest saß der Schalk im Nacken, und wie Honig lief es in ihnen den Hals hinunter bei ihrem Spott…
„Ha, die Schnogaklopfer z´Dornstett halt!“